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Ambulante Herzsportgruppe feiert 30-jähriges Bestehen

Wer einen Herzinfarkt hatte, wer Stents, einen Bypass oder Herzschrittmacher trägt oder an einer Herzschwäche oder Herzgefäßerkrankung leidet, dem sagt der Arzt heute: "Bewegen Sie sich, machen Sie Sport. Aber langsam und nach Möglichkeit in einer Herzsportgruppe". Das war nicht immer so, denn die Einrichtung einer Herzsportgruppe war vor Jahrzehnten allgemein noch nicht so verbreitet. Auch hier in Seesen nicht. Von der Existenz einer "Koronaren Sportgruppe", wie es seinerzeit noch hieß, erfuhr der Seesener Kurt Böker auch erst, als er sich in der achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts während einer Reha-Kur in einer Klinik befand. Bald danach trug er sich mit dem Gedanken, eine derartige Gruppe auch hier in Seesen ins Leben rufen zu wollen. Deshalb ergriff er im Frühjahr 1985 die Initiative und sprach bei Herrn Dr. Roland Schmiedeberg, dem damaligen Chefarzt der Inneren Abteilung des Seesener Städtischen Krankenhauses mit der Bitte vor, die ärztliche Betreuung dieser Gruppe zu organisieren. Nachdem Herr Dr. Schmiedeberg mit den Ärzten seiner Abteilung und auch mit mehreren niedergelassenen Ärzten in der Stadt darüber gesprochen hatte, war die ärztliche Betreuung gesichert. Und so konnte dann am 24. Juli 1985 im Hotel "Goldener Löwe" die Gründungsversammlung stattfinden. Anwesend waren damals neben Herrn Dr. Schmiedeberg auch Herr Börker und einige Ärzte sowie Vertreter des MTV Seesen. Unter der Leitung von Horst Scheerer, dem damaligen Vereinsvorsitzenden, übernahm der MTV Seesen die Trägerschaft für diese neue Gruppe. Nachdem die Gründung der Herzsportgruppe in der Zeitung bekannt gegeben worden war, meldeten sich 13 Teilnehmer. So konnte am Mittwoch, den 16. Oktober 1985 die erste Sportstunde in der Turnhalle an der Waisenhausstraße stattfinden. Die Aufbauarbeit der Gruppe wurde kontinuierlich fortgesetzt und der rasch zunehmende Bekanntheitsgrad der Gruppe führte dazu, dass sich die Zahl der Mitglieder von Jahr zu Jahr erhöhte. Schon nach einem Jahrzehnt hatte sie sich mehr als verdreifacht. Das Hauptgewicht der Arbeit lag und liegt auch heute noch auf den regelmäßigen Übungsnachmittagen. Durch ein wohldosiertes körperliches Training wird die Herz- und Kreislauffunktion der Teilnehmer nach ihrem überstandenen Herzinfarkt weiter gestärkt. Das Besondere: Hier sind speziell geschulte Therapeuten und stets auch ein Arzt dabei, der Puls und Blutdruck misst. Auch ein Defibrillator und ein vollausgerüsteter Notfallkoffer stehen stets einsatzbereit zur Verfügung. Beim Sport in der Ambulanten Herzsportgruppe ist die Qualität des Sports naturgemäß anders als in Fitness-Studio, die Stimmung ist anders - und die Zielsetzung sowieso. Denn bei diesem Sport soll der Sauerstoffbedarf des Herzens gesenkt werden, damit es wirtschaftlicher arbeitet und der Patient nicht so schnell in Atemnot gerät. Das erreicht man durch moderates Ausdauertraining. Zur Zielsetzung beim Sport in der Herzsportgruppe kann gesagt werden: die Patienten sollen ein lebenswertes Leben führen. Mit Leistung hat der Herzsport nichts zu tun - aber damit, ob man Einkaufstaschen ohne Angst in den zweiten Stock tragen kann. Sehr erfreulich ist die Tatsache, dass sich der Zusammenhalt in der Gruppe im Laufe der verflossenen 30 Jahre immer fester und enger gestaltete, sodass man inzwischen schon von einer großen Familie sprechen kann. Ganz besonderer Dank und Anerkennung gebührt hier sicherlich Frau Irene George, die in den Anfangsjahren über viele Jahre hinweg die organisatorische Leitung der Gruppe innehatte und sich dieser Aufgabe mit großen Elan und unermüdlichem Einsatz gewidmet hat. Auch Franz Kliem, der danach die Gruppe führte, sah es als seine vornehmste Aufgabe an, mit ärztlichem Bemühen und Engagement die Ambulante Herzsportgruppe im MTV Seesen für die Zukunft zu stärken. Aus gesundheitlichen Gründen musste er seinen Posten schweren Herzens aufgeben. Er hat aber in seinem Vertreter, Herbert Sander, einen würdigen Nachfolger gefunden, der ebenfalls bemüht ist, sich zum Wohle der Mitglieder der Ambulanten Herzsportgruppe einzusetzen. Ihr kleines Jubiläum wollen die Mitglieder der Ambulanten Herzsportgruppe in der nächsten Woche im Rahmen ihres alljährlich stattfindenden Sommerfestes feiern, Tage darauf zu einer Ganztagesfahrt in die Eulenspiegelstadt Mölln aufbrechen und danach dann auch Ferien machen.
Herbert Sander

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Die Herzsportler nehmen auch an einer Erste-Hilfe-Unterweisung teil.