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MTV-Radsportler auf Tour

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Die 3-Tages-Tour führte die Radsportler des MTV Seesen in diesem Jahr in die Lutherstadt Wittenberg. Insgesamt 26 Radfahrer machten sich mit ihren PKW´s und den Fahrrädern huckpack frühmorgens auf den Weg nach Braunsdorf bei Wittenberg, wo die Verantwortlichen das Hotel "Luther Birke" als zentrales Domizil ausgewählt hatten. Leider stand die Anreise unter keinen allzu gutem Stern: auf der B 82 erwartete das Autokorso ab Hahausen eine abenteuerliche Umleitung - man wählte alternativ die Route über den Sternplatz. Die umfangreichen Bauarbeiten am Harzburger Dreieck trugen dann weiterhin dazu bei, dass letztlich jeder sein eigenes Tempo fahren mußte. Zeitliche Verzögerungen waren unausweichlich.

Nach Erreichen des Hotels hieß es die Räder startklar zu machen; da war es vorteilhaft, dass die Anreise klugerweise bereits im Raddress erfolgte - das Einchecken war nämlich erst spätnachmittags möglich. Die gesamte Truppe wurde in zwei Gruppen aufgeteilt; dadurch konnten die zum Teil recht schmalen, aber gut zu befahrenden Wege problemloser bewältigt werden. Das Ziel der ersten Tour hieß Burg Rabenstein, in 153 m hoch gelegen "Steilen Hagen" im Burgendreieck des Hohen Flämings. Die Burg - umgeben von herrlichen Laubwäldern - wurde bereits im Jahre 1251 aus behauenen Granitquadern und Felssteinen erbaut. Sie ist zweifelsohne ein mittelalterliches Kleinod und zählt zu den besterhaltenen und romantischsten Burgen des Landes Brandenburg. Bei herrlichem Fahrradwetter ging es danach zurück zum Hotel. Unterwegs wurden mehrere ungeplante Stopps eingelegt; den bereits reifen Zwetschen am Wegesrand konnte niemand widerstehen. In der "Luther Birke" angekommen konnten die Zimmer bezogen werden und der Abend ging mit einem gemütlichem Beisammensein bei einen traditionellen Grillbüfett zu Ende.

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es am zweiten Tag in den Wörlitzer Park über Wittenberg nach Wörlitz. Immer entlang der Südseite der Elbe führte der Weg auf optimalen Radwegen - natürlich ausnahmslos eben und fast immer asphaltiert - bei wiederum bestem Radfahrwetter schließlich in den Wörlitzer Park. Die wenigen kurzen Deichrampen an der Elbe sorgen für etwas Abwechslung, ohne das man dadurch Probleme bekam. Die Verantwortlichen hatten für die Räder auf dem Innenhof des städtischen Bauhofs von Wörlitz eine zentrale Parkgelegenheit ausgeguckt; da war der Fußweg in den Park nur noch wenige Schritte entfernt. Wörlitz kann als reizendes kleines Städtchen in Sachsen-Anhalt mit nur 1.800 Einwohnern auf eine mehr als 1.000jährige Geschichte zurückblicken. Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand einer der frühesten und wohl auch schönsten Landschaftsparks Kontinentaleuropas in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ort. Der Park ist von Beginn an für jedermann ohne Eintritt zugänglich und sollte neben der Erholung vornehmlich auch der Bildung dienen. Die bis heute zum großen Teil in ihrer Ursprünglichkeit erhaltenen Wörlitzer Anlagen bilden den künstlerischen Höhepunkt des Gartenreichs Dessau-Wörlitz und wurden bereits im November 2000 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Entsprechend des Leitsatzes des Gründers Fürst Franz "Nützlich zu sein und Gutes zu stiften sind die angenehmste Beschäftigung des Lebens" erkundete die Reisegruppe mit großer Begeisterung und immer wieder hocherstaunt die herausragenden Schönheiten des Parks. Eine Gondelfahrt auf dem Wörlitzer See und den Kanälen mit vielen Erklärungen über die Entstehung des Parks und die vielen ganzjähirgen Veranstaltungen bildeten vor dem gemeinsamen Kaffeetrinken schlußendlich den Höhepunkt. Für jeden erkennbar war der auf Grund der langen Trockenheit niedrige Wasserstand des Sees; für die Gondelfahrten mußte für die Anlegestellen ein Ein- und Ausstiegsprovisorium geschaffen werden. Bevor die Rückfahrt angetreten werden konnte, mußte die Elbe bei Coswig mittels Fähre überquert werden. Der Elbepegel lang bei ca. 1 m bis 1,20 m; auf Grund dieses Niedrigwassers mußte die Schifffahrt auf der Elbe - wie auch schon im Sommer 2018 - eingestellt werden. Die Fähre war bei einen Tiefgang von 0,95 m gerade noch nutzbar; damit konnte die Rückfahrt auf der Nordseite der Elbe wie geplant vonstatten gehen. Der Tag klang dann im Hotel bei gutem Essen und vielen netten Gesprächen aus.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag regnete es dann überraschenderweise. Das war aber für das Radfahren weniger störend, stand doch am Sonntag Kultur auf dem Programm. Nach einem wie immer gutem Frühstück wurden der Räder verladen, die Zimmer geräumt und das Gepäck wieder in den Autos verstaut. Danach machte man sich auf nach Wittenberg. Am Lutherhaus wartete auf die Radfahrer eine sehr kompetente Stadtführung durch die historische Altstadt. Höhepunkt war schließlich die Besichtigung der imposanten Schloßkirche. Da sind wohl bei jedem Eindrücke hängen geblieben, die noch sehr lange im Gedächtnis bleiben werden. Nach einer individuell geplanten Mittagspause konnte die Rückreise nach Seesen in Angriff genommen werden - dort erwartete uns - welch Überraschung - etwa ab Halberstadt Starkregen.

Den Verantwortlichen ist uneingeschränkt ein großes Lob auszusprechen; an den drei Tagen haben die Radfahrer viel gesehen und erlebt - selbst das Wetter hat erstmalig mitgespielt. Kein Regen während der Radtouren; das hatte man noch nie und war eine wirklich angenehme Premiere. Erfreulich war auch, dass es während des Aufenthalts in Wittenberg und Umgebung keine Unfälle gab und alle wohlbehalten die Rückreise antreten konnten. Selbst ein schon obligatorischer Platten  war erfreulicherweise nicht zu vermelden. 

Die diesjährige Radfahrsaison neigt sich so langsam dem Ende entgegen. Mit Spannung und voller Vorfreude erwarten die Radsportler schon jetzt das Ziel für die Wochenendfahrt in 2020.

Höhepunkt der monatlichen Tagestouren war im August die Erkundung des Hildesheimer Waldes. Mit den Autos ging zunächst bis Bad Salzdetfurth und von dort lernte man südlich und westlich von Hildesheim Orte kennen, von denen manch einer gar nicht wußte, dass es sie überhaupt gab. Man sieht wieder einmal, Radfahren mit dem MTV bedeutet auch ganz oft Bildung, Neues zu erleben und die Heimat noch besser kennenzulernen. Wenn Insider jetzt von Östrum, Breinum, Segeste, Petze und Sibbesse sprechen, kann man jedenfalls mitreden.

In diesem Jahr wurde etwas wahr, worüber schon seit vielen Jahren immer wieder gesprochen wurde: der Sternplatz wurde mit einer größeren Gruppe erstmals überquert. Dabei war das gar nicht zu anstrengend wie das Land auf Land ab erzählt wird. Sorry - mittlerweile sind die Radsportler ja fast ausnahmslos "mit Rückenwind" unterwegs; da fiel der Anstieg dann schon erheblich leichter - und die Abfahrt auf dem Kastanienweg bis nach Lautenthal war genau wie das Eis in Langelsheim eine tolle Belohnung.
Jürgen Hoffmeister

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