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OL: Gelungener Einstand in das WM-Geschehen

| Orientierungslauf

Knapp eine Woche lang blickte die OL-Welt nach Norwegen, wo in den Wäldern um

Sarpsborg, ca. 80 km südöstlich von Oslo gelegen, die Weltmeisterschaften in den Walddisziplinen

des Orientierungslaufs stattfanden. 380 Athleten aus 48 Nationen kämpften um die sechs Titel in

den Disziplinen Mittel- und Langdistanz sowie Staffel. Zu dem achtköpfigen deutschen Team

gehörten erstmals auch die beiden MTV-OLer Ole Hennseler und Birte Friedrichs, die im letzten

Jahr noch bei den Junioren startberechtigt waren. Beide trugen kräftig zum besten Abschneiden

eines deutschen Teams seit vielen Jahren bei.

Gelaufen wurde in einem zwar relativ flachen, aber durchaus typischen norwegischen Terrain mit

kleinen Sümpfen, vielen Hügeln, Kuppen, kleinen Felsen, Steinen und vor allem mit viel hohem

Heidelbeerkraut, das äußerst kraftraubend war. Für Diskussionsstoff sorgte die eigentlich perfekte

Medienpräsenz: Einerseits wurden in sechs Ländern hervorragende Liveberichterstattungen

ausgestrahlt, andererseits ging dieses zu Lasten der Athleten, die größere Anteile als gewohnt

außerhalb des Waldes auf einem Golfplatz, wo sich das Wettkampfzentrum mit Arenastart,

Sichtschleife beim Durchlauf und Zieleinlauf befanden, zurücklegen und bei den

Staffelentscheidungen am späten Samstagnachmittag zu besten Sendezeiten laufen mussten.

Den Auftakt bildeten die Qualifikationen über die Mitteldistanz. In drei Vorläufen wurden die

Finalteilnehmer ermittelt. Diese Läufe verliefen für die jeweils drei deutschen Starter eher

ernüchternd, denn nur Susen Lösch (USV Jena) schaffte die direkte Qualifikation der besten

Fünfzehn. Bojan Blumenstein (OSC Kassel) als bestplatzierterer deutscher Herr durfte nach einer

neuen Regelung ebenfalls noch ins Finale aufrücken. Für Birte Friedrichs erwies sich ein Zwei-

Minuten-Fehler als ausschlaggebend, kostete er mehr als die Zeit, die notwendig gewesen wäre, um

im Finale dabei zu sein. Als Vorlauf-Neunzehnte musste sie im Finale ebenso zuschauen wie Ole

Hennseler, der nach gutem Start einen Posten viel zu früh in dem immer gleich aussehenden

Gelände suchte und so viel Zeit einbüßte, dass er nur auf Rang 31 einkam.

Tags darauf hatte Birte Friedrichs bereits ihren zweiten Einsatz mit dem Start über die Langdistanz,

bei der von den Frauen 11,7 km Luftlinie bei 300 Höhenmetern zu bewältigen waren. Dabei gelang

ihr ein nahezu fehlerfreier Lauf mit klugen Routenwahlentscheidungen, lediglich die Kraft ließ bei

der jungen Seesenerin gegen Ende etwas nach. Nachdem sie zeitgleich mit dem Herrensieger Olav

Lundanes aus Norwegen den Sichtdurchlauf passiert hatte, setzte sie sich nach der Schlussschleife

bei den Damen dank ihrer relativ frühen Startzeit mit neuer Bestzeit an die Spitze und durfte auf

dem „Leader's Chair“ Platz nehmen. Erst rund eine halbe Stunde später wurde ihre Zeit unterboten

– so lange diesen Platz innezuhaben, ist für eine deutsche OLerin schon ein außergewöhnliches

Erlebnis. Am Ende sprang für sie mit Rang 38 ein sehr beachtliches Ergebnis heraus, im guten

Mittelfeld und besser als allgemein erwartet. Auch die beiden weiteren deutschen Starter auf der

Langdistanz überzeugten mit den Rängen 19 (Susen Lösch) und 26 (Bojan Blumenstein).

Bei den abschließenden Staffelentscheidungen wurde sie geschont, die übrigen drei Damen

erreichten einen ausgezeichneten 12. Platz. Ole Hennseler hatte bei seinem zweiten Einsatz einen

undankbaren Job; da der Startläufer Felix Späth (OLG Siegerland) seine Aufgabe, an der

Führungsgruppe dran zu bleiben, bestens erfüllt und mit geringem Rückstand als Siebter gewechselt

hatte, galt es gegen stärkste Konkurrenz möglichst wenig von der komfortablen Situation

einzubüßen. Und diese Aufgabe löste er bei strömendem Regen hervorragend und ganz routiniert

und konnte unerwartet als Neunter auf den Schlussläufer Bojan Blumenstein übergeben. Da dieser

auch nur einen Platz einbüßte, schaffte das deutsche Trio mit Rang zehn die beste Platzierung seit

rund zwei Jahrzehnten.

Da im Finale über die Mitteldistanz Bojan Blumenstein (25.) und Susen Lösch (26.) sich ebenfalls

unter den TopDreißig platziert hatten, herrschte im deutschen Lager nach den bemerkenswerten

Einzel- und Staffelplatzierungen große Freude, zumal die jungen Athleten - insbesondere die beiden

Seesener – für die Zukunft noch einiges erwarten lassen. Mit ihren Doppelsiegen drückten die

Schwedin Tove Alexandersson und der Norweger Olav Lundanes der WM ihren Stempel auf,

zudem blieben die Schweden in beiden Stafeln siegreich.

Detlev Friedrichs

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Ole Hennseler lieferte ein bärenstarke Staffelrennen
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Birte Friedrichs durfte lange auf dem "Leader's Chair" sitzen
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Birte Friedrichs beim Sichtdurchlauf neben dem späteren Sieger Olav Lundanes (NOR)