Weitere starke Platzierungen im Erzgebirge – Bundesranglistensiege für Ole Hennseler und Birte Friedrichs
Wie gewohnt beendeten die Orientierungsläufer die Saison auf nationaler Ebene mit den Deutschen Meisterschaften über die Langdistanz und der Deutschland-Cup-Staffel. Diese fanden in Altenberg im Erzgebirge statt, das man wegen der Bob- und Rodelbahn und dem Skistadion eher mit Wintersport in Verbindung bringt. Die knapp 800 Sportler erwartete typischer Mittelgebirgswald mit steilen Hängen, eingeschnittenen Tälern und überwiegend Nadelwald mit viel Totholz und vielen Heidelbeersträuchern. Für den technischen Anspruch sorgten einige Bereiche mit Grabensystemen und Rinnen, die glücklicherweise nahezu trocken waren, ansonsten waren die Sportler eher physisch gefordert. Vielleicht lag es auch an der Ähnlichkeit zu unseren Harzwäldern, dass die Athleten der beiden Harzvereine MTK Bad Harzburg und MTV Seesen recht erfolgreich abschnitten. Für das kleine Team des MTV, das auch noch durch den krankheitsbedingten Ausfall von Birte Friedrichs und Carolin Bernsdorf geschwächt wurde, sprangen immerhin ein DM-Titel von Ole Hennseler und weitere schöne Platzierungen heraus.
Zum Wochenendauftakt gab es am Freitagabend bei Kälte und Nebel einen Sprint-OL durch die Stadt Altenberg, der mit erhöhter Wertigkeit für die Deutsche-Park-Tour zählte. Bei den Ergebnissen der vier MTV-OLer, die nach der langen Autofahrt an den Start gingen, ragen der Sieg von Rut Stark in der D-18 gegen allerdings geringe Konkurrenz und der zweite Platz von Martin Hennseler in der H55 heraus. Zoe Schwertner (9. in der D-14) und Lena-Maria Klose (11. in der D19) kamen im Mittelfeld ein. Die in der D19 in der DPT-Wertung in Führung liegende Birte Friedrichs profitierte trotz Abwesenheit von dem Ausgang des Rennens, denn sie behielt ihre Position und hat damit den Vorjahrssieg in der Deutsche-Park-Tour erfolgreich verteidigt.
Das Highlight aus MTV-Sicht war bei den Titelkämpfen über die Langdistanz der Sieg von Ole Hennseler bei den Herren. Zwar waren einige seiner Nationalmannschaftskollegen nicht am Start, sodass er im Vorfeld schon als Favorit gehandelt wurde, aber er bot auch eine souveräne Vorstellung. Nach kurzen anfänglichen Problemen mit der Umstellung auf die Äquidistanz (Abstand der Höhenlinien) von 2,5 Metern bei der Europameisterschaft eine Woche zuvor auf die üblichen 5 Meter zog er der Konkurrenz unaufhörlich davon, traf kluge Routenwahlentscheidungen und siegte schließlich unangefochten mit 7:30 Minuten Vorsprung nach 14 km mit knapp 700 Höhenmetern vor dem Lokalmatador Marek Pompe (SV Robotron Dresden) und dem überraschend stark laufenden Matti Bruns (MTK Bad Harzburg). Damit wiederholte er seine Siege über die Königsdistanz von 2023 und 2024.
Rut Stark schaffte erstmals bei einer DM einen Diplomrang und damit den Sprung neben das Siegerpodest. Sie profitierte dabei zwar ein wenig davon, dass ein paar der stärksten D-18-Athletinnen beim parallel stattfindenden Junioren-Europacup starteten, aber ihr gelang auch ein läuferisch und technisch einwandfreier Lauf mit richtiger Routenwahl und so dufte sie sich zurecht über einen tollen fünften Platz freuen. Maik Schweizer (H-18) hatte mit seiner vor allem physisch sehr anspruchsvollen Strecke anfangs zu kämpfen, kam dann aber gut zurecht und wurde in einer engen Entscheidung guter Achter. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten gelang Zoe Schwertner in der D-14 ein solider Lauf, den sie als 18. beendete.
Erfreulich ist auch der Auftritt der drei MTV-Damen, die in der D19A starteten. Meike Hennseler war gut unterwegs, bis ein Ablauffehler von einem Posten sie etwa zwei Minuten und damit den möglichen Sieg kostete. Aber mit dem zweiten Rang war sie ebenso zufrieden wie Katharina Linke als Vierte und Lena-Maria Klose als Achte, die nach gerade abgeklungener Erkältung noch etwas entspannter lief. Ein ärgerlicher größerer Fehler unterlief Martin Hennseler (H55) gleich auf dem Weg zum ersten Posten, obwohl er schon ganz nah daran war, den Posten aber nicht sah und weiter lief. Nachdem er sich wieder aufgefangen und den Posten gestempelt hatte, lief es reibungslos, aber statt des möglichen vierten Platzes war es „nur“ der neunte Rang.
Nach der Siegerehrung wurden traditionell die Bundesranglistensieger des Jahres gekürt. Nach seinem souveränen Sieg bei den Herren hatte es Ole Hennseler tatsächlich noch geschafft, seinen Konkurrenten zu überflügeln und nach 2016 und 2024 die Bundesrangliste zu gewinnen. Gleiches, allerdings bereits zum zehnten Mal, gelang auch Birte Friedrichs bei den Damen, denn keine Mitstreiterin konnte sie noch von der Spitze verdrängen. Somit kommen erstmals die Bundesranglistensieger in beiden Hauptklassen aus Seesen.
Die Fünferstaffel im Deutschland-Cup war in den letzten Jahren immer ein Highlight für den MTV, 2017 und 2019 konnte man sie überraschend gewinnen, häufig war man bester Nicht-Dresdener Verein. Im Vorjahr waren die Vorgaben für die Zusammensetzung der Staffel etwas verändert worden, was nichts an der Dominanz der Dresdener Vereine veränderte. Um diese Vorgaben zu erreichen, verzichtete Ole Hennseler auf einen Start, und nach dem Ausfall von Birte Friedrichs musste noch einmal umgestellt werden. So war eine TOP 25-Platzierung unter den 60 gestarteten Teams anvisiert worden, welche die Staffel mit Maik Schweizer, Katharina Linke, Lena-Maria Klose, Martin Hennseler und Meike Hennseler mit Rang 21 auch schaffte. Nach durchwachsenem Start, weil Maik Schweizer die harte Strecke vom Vortag noch zu sehr in den Knochen steckte, arbeiteten sich die übrigen, vor allem durch einen starken Lauf von Martin Hennseler, immer weiter vor. Immerhin waren die MTVer damit nach dem MTK Bad Harzburg, der als einziger Westverein mit Rang vier in die Phalanx der Dresdener Vereine eindringen konnte, noch zweitbester niedersächsischer Verein.
Da die zusätzlich gemeldete Rahmenstaffel geplatzt war, startete Rut Stark für den Braunschweiger MTV und lieferte erneut einen beachtlichen Part ab. Zoe Schwertner lief für die Worpsweder Schülerstaffel, die aber wegen Fehlstempels nicht in die Wertung kam. Am kommenden Wochenende geht es bereits mit zwei Landesveranstaltungen in Wolfshagen weiter, für die der MTK Bad Harzburg verantwortlich zeichnet.

So schön dieser Wald sich gezeigt hatte, bei der Entscheidung über die Langdistanz war sämtliche Freude verflogen. Nicht nur, dass ein Großteil des Geländes sehr dichten Bewuchs aufwies, der in seiner Kartendarstellung die feinen Höhenstrukturen farblich überlagerte, sondern trübes Herbstwetter und teilweiser Regen erschwerten das Lesen der Karte obendrein. Und wenn man beim Kompasslauf einmal im Dickicht steckengeblieben und danach nur geringfügig aus der Richtung gekommen war, hatte man kaum eine Chance, sich zügig wieder einzulesen. Während Lina Buchberger gleich ganz auf den Lauf verzichtete, taten sich ihre Vereinskollegen unerwartet schwer und kamen nie in einen gleichmäßigen Laufrhythmus. Mit Rang 14 (Friedrichs) und 24 (Hennseler) im B-Finale rangierten sie unter Wert und verpassten auch die zweite Chance auf eine A-Final-Teilnahme für die Mitteldistanz und waren mit dem gesamten Wettkampf sichtlich unzufrieden.

